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Case Study · Kommune · Bauamtsleitung

Mehrere Anläufe über Jahre – und dann eine Bauamtsleitung, die keine Ausschreibung je erreicht hätte

Das Amt Am Peenestrom mit der geschäftsführenden Stadt Wolgast suchte eine Leitung für den gesamten Baubereich: Hochbau, Tiefbau, Bauverwaltung, Gebäude- und Grundstücksmanagement, Standortentwicklung und Baubetriebshof, rund 17 Mitarbeitende. Über die klassischen Wege war diese Person über Jahre nicht zu finden.

54 Bewerbungen 37 nach Vorqualifizierung Leitungsstelle besetzt 10/10 Kundenbewertung

Die Ausgangslage

Mehrere Anläufe, und trotzdem blieb die Stelle offen

Wolgast liegt am Peenestrom, gegenüber der Insel Usedom und gut 30 Kilometer von Greifswald entfernt. Die Stadt führt als geschäftsführende Kommune die Verwaltung für sieben Gemeinden, und im Baubereich laufen dabei die Fäden von Hochbau, Tiefbau, Bauverwaltung, Gebäude- und Grundstücksmanagement, Standortentwicklung und Baubetriebshof zusammen. Wer diesen Geschäftsbereich leitet, führt rund 17 Menschen und ist zugleich Ansprechpartner für Bürger, Genehmigungsbehörden und Baufirmen.

Dauerhaft besetzen ließ sich die Stelle über Jahre nicht, mehrere Anläufe waren bereits gescheitert. Probiert worden war dabei praktisch alles: klassische Ausschreibungen, Interamt, private Jobbörsen, eigene Beiträge auf Instagram und Facebook, Direktansprache und die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Dienstleister. Wie angespannt der Markt war, zeigte eine zweite Vakanz im selben Bereich: Eine Stelle in der Bauleitplanung suchte die Verwaltung zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren. Priorität hatte trotzdem die Leitungsstelle, und auf sie konzentrierte sich deshalb auch die Kampagne.

Dazu kam der Arbeitsmarkt. Wer die gesuchte Qualifikation mitbringt, steht in aller Regel längst in fester Anstellung und hat keinen Anlass, Stellenportale zu durchsuchen. Der Druck war entsprechend hoch, auch politisch.

Der Engpass

Warum eine Bauamtsleitung an der Küste besonders schwer zu besetzen ist

Hier kommen drei Dinge zusammen, von denen jedes für sich schon reichen würde:

  • Der regionale Markt ist zu klein. Bauingenieurinnen und Bauingenieure mit Führungserfahrung sitzen im Umkreis einer Kleinstadt selten in ausreichender Zahl, und wenn doch, dann in festen Anstellungen.
  • Die Stelle verlangt zwei Talente gleichzeitig. Gesucht war fachliche Tiefe im Bauwesen und zugleich ein Führungsstil, der vom Mitarbeiter im Baubetriebshof bis zur Ingenieurin alle erreicht. Genau daran waren die vorherigen Anläufe gescheitert.
  • Wer passt, sucht nicht aktiv. Menschen mit diesem Profil haben einen sicheren Arbeitsplatz, oft in der Privatwirtschaft, und keinen Grund, Interamt oder Stellenportale aufzurufen. Für eine Ausschreibung bleiben sie unsichtbar, selbst wenn sie in der Nachbarschaft leben.

Eine Ausschreibung auf Stellenportalen kann dieses Problem nicht lösen. Sie erreicht nur die Menschen, die bereits aktiv nach einer neuen Stelle suchen.

Das Vorgehen

Dort sichtbar werden, wo für einen Jobwechsel offene Fachkräfte es sehen

  1. 1

    Interviews quer durch den Geschäftsbereich Bürgermeister, Bauausschuss, Team

    Wir haben mit dem Bürgermeister, der Personalleitung, dem Vorsitzenden des Bauausschusses und mehreren Mitarbeitenden aus Hoch- und Tiefbau gesprochen. Dabei ging es weniger um Aufgabenlisten als um die emotionalen Faktoren: was die Arbeit in einem Amt mit sieben Gemeinden besonders macht, wie viel Gestaltungsspielraum in der Rolle steckt, welche Projekte anstehen und was der Standort an der Küste im Alltag bedeutet.

  2. 2

    Sichtbarkeit in der Region und weit darüber hinaus Umkreis Wolgast, Berlin, Lübeck

    Wo die richtige Person gerade lebt und arbeitet, lässt sich vor einer Kampagne nicht wissen. Deshalb lief die Ausspielung sowohl im Umkreis von Wolgast als auch gezielt in Ballungsräumen, aus denen Menschen erfahrungsgemäß an die Küste zurückkehren oder bewusst dorthin wechseln. Rund 61.000 Menschen wurden so erreicht, die Anzeigen über 220.000 Mal ausgespielt – auch bei denen, die selbst gar nicht auf Stellensuche waren und eine Ausschreibung deshalb nie gesehen hätten.

  3. 3

    Vorqualifizierung und laufendes Nachsteuern über 2.100 Mal angesehen

    Wer klickte, kam auf einen mehrstufigen Bewerbungsweg mit ehrlichen Einblicken in Rolle, Team und Region, der zugleich Qualifikation und Wechselbereitschaft abfragte. Während der Laufzeit haben wir das Budget zugunsten der Ballungsräume umgeschichtet und die Herkunft der Bewerbungen zusätzlich abgefragt, um die Ausspielung noch genauer steuern zu können.

Das Ergebnis

54 Bewerbungen, 37 davon vorqualifiziert – und eine besetzte Leitungsstelle

Insgesamt gingen 54 Bewerbungen ein; 37 davon blieben nach der Vorqualifizierung übrig und konnten vom Amt tatsächlich geprüft werden. Darunter waren Kandidatinnen und Kandidaten mit langjähriger Erfahrung aus der Baubranche und aus Großkonzernen, aus der Region ebenso wie aus Ballungsräumen.

Den Zuschlag erhielt eine Fachkraft aus der Region selbst – mit Erfahrung aus dem Baubereich der Privatwirtschaft samt Verantwortung für Mitarbeitende, bis dahin allerdings ohne Station im öffentlichen Dienst. Nach Einschätzung der Verwaltung wäre dieser Kontakt über Interamt oder eine klassische Ausschreibung nie zustande gekommen: Wer fest im Beruf steht und nicht aktiv sucht, stößt auf solche Angebote schlicht nicht.

Die Leitung des Geschäftsbereichs ist inzwischen besetzt. Nach mehreren gescheiterten Anläufen und einer Vakanz, die die Verwaltung über Jahre begleitet hat, arbeitet der Baubereich wieder mit einer festen Führung.

Die entscheidende Zahl steht in keinem Kampagnenbericht. Sie lautet: ein Mensch mit genau dem gesuchten Profil, der aus der Privatwirtschaft in die Verwaltung wechselt – erreichbar allein deshalb, weil die Stelle dort sichtbar war, wo dieser Mensch tatsächlich hinschaut.

Die Zusammenarbeit

Zehn von zehn Punkten

Der Aufwand für die Verwaltung blieb überschaubar: Interviewtermine als Grundlage, ein Freigabetermin für Motive, Texte und Qualifikationsfragen, dazu regelmäßige Abstimmungen während der Laufzeit. Alle Zahlen der Kampagne lagen dabei offen auf dem Tisch.

Nach einer Bewertung der Zusammenarbeit gefragt, nannte das Amt zehn von zehn Punkten und hob hervor, dass die Arbeit transparenter und nachvollziehbarer sei als bei den Dienstleistern, mit denen man es zuvor versucht hatte.

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